
Trotz anhaltender wirtschaftlicher Unsicherheit zeigen Verbraucher in Europa erste Anzeichen von Zuversicht. Das belegen die aktuellen Ergebnisse des dentsu Consumer Navigator Q1 2026, der in Rahmen zweier Studien die wirtschaftliche Stimmung sowie das Reise- und Konsumverhalten von Konsumenten in fünf europäischen Kernmärkten (Deutschland, UK, Frankreich, Italien, Spanien) untersucht hat. In beiden Studien basiert die Analyse auf einer Stichprobe von insgesamt 3.500 Befragten, jeweils 700 pro Markt, die im Februar 2026 erhoben wurden. Zusammen zeichnen sie ein differenziertes Bild europäischer Verbraucher – mit klaren Besonderheiten für Deutschland.
Report 1: Consumer Mindset Q1 2026

Europäische Verbraucher bleiben skeptisch
Die wirtschaftliche Grundstimmung in der EMEA-Region ist überwiegend gedämpft: Rund zwei Drittel der Befragten bewerten die wirtschaftliche Lage ihres Landes als „nicht gut“ oder „schlecht“. Diese Einschätzung spiegelt sich jedoch nur teilweise in der persönlichen Wahrnehmung wider. Der Blick auf die eigene finanzielle Situation fällt deutlich differenzierter aus – viele fühlen sich persönlich weniger stark unter Druck, als es die makroökonomischen Prognosen erwarten lassen.
So gibt mehr als die Hälfte der Befragten an, ihre laufenden und notwendigen Ausgaben aktuell stemmen zu können. Diese scheinbare Stabilität hat jedoch ihren Preis. Statt sorglosem Konsum setzen viele auf Zurückhaltung, streichen Extras und fahren Ausgaben bewusst zurück. Gespart wird nicht aus akuter Not, sondern aus Vorsicht – als Reaktion auf ein Umfeld, das wenig Planungssicherheit bietet. Die wirtschaftliche Unsicherheit ist damit nicht nur eine abstrakte Sorge, sondern prägt ganz konkret den Alltag.
Gleichzeitig zeichnet sich im Vergleich zu früheren Quartalen erstmals eine leichte Stimmungsaufhellung ab. Vor allem jüngere Generationen zeigen sich optimistischer als ältere - ein Trend, der sich auch in Deutschland widerspiegelt.
Konsumverhalten Deutschland: Alltag unter Beobachtung, Großausgaben mit Kalkül
Die wirtschaftliche Stimmung deutscher Konsumenten bewegt sich im europäischen Mittelfeld. Zwar kann eine Mehrheit ihre laufenden Ausgaben weiterhin bestreiten, gleichzeitig berichten viele von bewussten Einsparungen im Alltag. Besonders bei Kleidung, Gastronomie und Freizeitaktivitäten wird zurückhaltender konsumiert, während größere Anschaffungen häufig vertagt werden.
Insgesamt zeigen sich deutsche Verbraucher handlungsfähig, agieren jedoch defensiv und mit klar ausgeprägten Sparimpulsen. Für Handel, Marken und Dienstleister rücken damit ein überzeugendes Preis-Leistungs-Verhältnis, Transparenz und ein klar erkennbarer Mehrwert zunehmend in den Fokus - als entscheidende Faktoren dafür, ob Kaufentscheidungen getroffen oder aufgeschoben werden.
Wie im zweiten Report noch näher dargestellt, bilden Reisen hier eine Ausnahme. Trotz Kostendisziplin betrachten viele Deutsche ihren Urlaub weiterhin als wichtigen Ausgleich und „Belohnung“ in wirtschaftlich angespannten Zeiten. Reisen werden gezielt geplant, Ausgaben stärker abgewogen - aber nicht grundsätzlich infrage gestellt.
Report 2: Travel Consumer Navigator Q1 2026

Quantität runter, Erwartung rauf: Europas neue Reiselogik
Der Travel Report macht deutlich, wie stark wirtschaftliche Unsicherheit und finanzielle Zurückhaltung derzeit die Reiseentscheidungen europäischer Verbraucher prägen. Steigende Lebenshaltungskosten, geopolitische Spannungen und volatile wirtschaftliche Rahmenbedingungen führen dazu, dass viele Haushalte ihre Urlaubsplanung deutlich konservativer ausrichten als in den Vorjahren. Die Mehrheit beschränkt sich auf ein bis maximal zwei Reisen pro Jahr und legt dabei besonderen Wert auf Planbarkeit, Kostenkontrolle und ein verlässliches Preis‑Leistungs‑Verhältnis.
Entsprechend wächst die Nachfrage nach Budget- und Midscale-Angeboten. Preisbewusste Buchungsentscheidungen, kürzere Reisedauern, Aufenthalte in der Nebensaison sowie die Wahl näher gelegener Destinationen gewinnen an Bedeutung. Um Buchungsbarrieren abzubauen und Sicherheit zu vermitteln, spielen flexible Stornooptionen, transparente Preise und klar definierte Leistungen eine zentrale Rolle. Hochpreisige Luxusangebote verlieren zwar an Breite, bleiben jedoch für klar umrissene Zielgruppen weiterhin relevant.
Urlaub wird bewusst als emotionale Auszeit vom Alltag verstanden – als Investition in Erholung, Lebensqualität und persönliche Erlebnisse. Selbst bei insgesamt zurückhaltendem Konsum sind viele bereit, gezielt Mittel für Reisen freizumachen, sofern der wahrgenommene Mehrwert überzeugt. Reisen fungieren damit als kontrollierte Ausnahme vom Sparkurs: seltener, bewusster und stärker auf individuelle Bedürfnisse ausgerichtet, aber weiterhin fest im Lebensstil verankert.
Besonders deutlich zeigt sich dieser Trend in Deutschland. Deutsche Konsumenten reisen im europäischen Vergleich seltener, entscheiden sich dafür jedoch häufiger für längere Aufenthalte. Ziel ist es, Ausgaben zu bündeln und den wahrgenommenen Gegenwert der Reise zu maximieren.
KI wird zum Reisehelfer – auch in Deutschland
Künstliche Intelligenz hält Einzug in den Reisealltag. Bereits jeder vierte europäische Befragte nutzt KI-gestützte Tools zur Reiseplanung – insbesondere für Recherchen, Routen, Unterkunfts- oder Aktivitätsauswahl. Auch in Deutschland ist die Nutzung überdurchschnittlich ausgeprägt, vor allem bei jüngeren Zielgruppen.
Dabei wird KI weniger als Inspirationsquelle für außergewöhnliche Erlebnisse wahrgenommen, sondern vielmehr als Instrument zur Optimierung und Vereinfachung von Reiseentscheidungen. Rund 80 Prozent der Nutzer geben an, dass KI ihre Reiseerfahrung insgesamt verbessert. Gleichzeitig sinkt die Markenloyalität: Verbraucher vergleichen stärker und entscheiden situativ nach Angebot und Nutzen.
Social Media und Entertainment prägen Reiseentscheidungen
Neben KI spielen soziale Medien weiterhin eine relevante Rolle bei der Reiseinspiration. Rund 40 Prozent der Befragten lassen sich durch Inhalte auf Plattformen wie Instagram oder TikTok beeinflussen - besonders dann, wenn sie authentisch wirken. In Deutschland zeigen sich zudem überdurchschnittliche Effekte durch Unterhaltungsformate wie Videospiele, die insbesondere bei jüngeren Zielgruppen Reiselust auslösen.
Authentizität, Storytelling und die emotionale Inszenierung von Reiseerlebnissen sind damit wichtiger als klassisches Hochglanzmarketing. Influencer und Content Creator übernehmen in diesem Kontext eine hybride Rolle zwischen Inspiration, Empfehlung und Erfahrungsbericht.
Zwischen Vernunft und Emotion: Der neue Konsument kalkuliert nüchtern im Alltag, zeigt sich aber emotional, wenn es um echte Werte geht
Der dentsu Consumer Navigator Q1 2026 Report zeichnet aktuell ein Lagebild in dem der europäische Verbraucher, rational, preisbewusst und vorsichtig agiert – sich jedoch gezielt auch Ausnahmen gönnt. In Deutschland zeigt sich dieser Trend besonders ausgeprägt: Konsum wird kontrolliert, Reisen hingegen emotional aufgeladen und bewusst priorisiert.
„Wir erleben keinen Rückzug vom Konsum, sondern eine klare Neuordnung von Prioritäten“, fasst Katja Brandt CEO Germany & Media Practice President Central Europe zusammen. „Menschen erwarten heute, dass Marken ihre Realität verstehen - wirtschaftlich, technologisch und emotional. Für Unternehmen bedeutet das: Relevanz entsteht nicht mehr durch Reichweite allein, sondern durch passgenaue Ansprache, glaubwürdige Wertversprechen und nahtlose Erlebnisse entlang der gesamten Customer Journey. Für dentsu bestätigt die Studie den integrierten Ansatz aus Daten, Media, Technologie und Customer Experience. In einem Umfeld, in dem KI-Entscheidungsprozesse beschleunigt und Loyalität neu verhandelt wird, unterstützt dentsu Marken dabei, Konsumentenbedürfnisse früher zu erkennen, Komplexität zu reduzieren und Investitionen effizienter zu steuern. Unsere Aufgabe ist es, Unsicherheit in Klarheit zu übersetzen – und Insights in Wachstum,“ so Brandt weiter. „Wer heute den Mut hat, Konsumenten wirklich zuzuhören und Technologie intelligent einzusetzen, schafft die Basis für Wachstum – auch in herausfordernden Zeiten.“
Hier geht es zu den Reports.